
Die modulare Dekontaminationsausstattung „Modulaire Ontsmeettings System - Système de Décontamination Modulaire“, kurz MOSDM bezeichnet, bildet die Basis zur gründlichen Dekontamination nach einem Einsatz von ABC-Waffen bzw. nach der Freistellung industrieller toxischer Gefahrenstoffe. Ein MOSDM besteht aus zwei mit den modernsten Dekontaminationssystemen ausgestatten Containern (DFL 4000 und DSC-B) sowie zwei Wassertransportcontainern (WSC 10) zur Lagerung von Wasser in Trinkwasserqualität. Dieses hochmobile System wird auf vier leistungsstarken Fahrzeugen transportiert und kann somit umgehend eingesetzt werden. Das schnelle Verlasten des „Flatracks“ und der Container erfolgt über das hydraulische Hakenlift-System der ALC-Fahrzeuge (Autonomous Load Carrier). Die belgischen Soldaten konnten sich von den Vorzügen des Systems erstmals bei der von Kärcher N.V. Manager Koen van Looken durchgeführten zweiwöchigen Schulung an der „Genie School“ in Namur überzeugen. „Die große Flexibilität und die einfache Bedienung sowie das breite Einsatzspektrum sorgten bei den Anwendern für helle Begeisterung“, berichtet der verantwortliche belgische Projektleiter. So konnte das multifunktionelle Dekontaminationssystem bereits am Belgischen Nationalfeiertag (im Juli 2006) bei der traditionellen Militärparade in Brüssel König Albert II und der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Details:
Das Leistungsspektrum des MOSDM („Modulaire Ontsmeettings System - Système de Décontamination Modulaire“) umfasst folgende Hauptaufgaben:
- Dekontamination von Personen
- Dekontamination von persönlicher Ausrüstung
- Dekontamination von Fahrzeugen
- Dekontamination von begrenzten Straßenabschnitten
Dekontaminationskapazität (pro Stunde):

Das gesamte System beinhaltet drei flexibel einsetzbare MOSDM-F Einheiten. Sie dienen zur physikalischen Reinigung, d.h. zur Entfernung des (groben, sichtbaren) kontaminierten Schmutzes. Diese Einheiten lassen sich bei Bedarf aus den Containern herausnehmen und sogar mit dem Hubschrauber zum gewünschten Einsatzort verlegen. Dort können sie autark betrieben werden. Ein MOSDM-F beinhaltet zwei MPDS (Heißwasserhochdruckreiniger), zwei Hochdruck-Schlauchhaspeln, Sprühlanzen, Heißwasser Hochdruck-Schläuche und Feuerwehrschläuche.
Darüber hinaus gehört ein MOSDM-C Modul zur Ausstattung. Dieses Gerät ist genauso transportabel und flexibel wie die MOSMD-F Einheiten, dient jedoch zur chemischen Dekontamination. Es verfügt über das Austragungsgerät AMGDS (Applikationsmodul für GDS 2000), welches nichtwässrige Dekontmittel austragen kann. Mit dem integrierten EDADS (Electric Direct Application & Decontamination System) können wässrige Emulsionen und Suspensionen hergestellt und ausgetragen werden.
MPDS: Für die Vorbehandlung und Nachbehandlung von Fahrzeugen mit Hochdruck oder Heißdampf sowie für die Dekontamination von Bekleidung und Ausrüstung. Diese wird in einem Auskochbehälter mit Dampf, der zuvor auf über 200 °C erhitzt wurde, beaufschlagt und ausgekocht. Die Wassermenge beträgt zwischen 340 und 1.450 Liter pro Stunde, bei einem Druck von bis zu 60 bar, einstellbar.
EDADS: Für die Dekontamination von Fahrzeugen und Straßenabschnitten. Die Emulsionsaustragungsmenge beträgt 3.300 Liter pro Stunde. Für die Dekontamination von Geländeabschnitten können Suspensionen von bis zu 7.200 kg pro Stunde produziert und ausgetragen werden.
AMGDS 2000: Hochmodernes Einsatzgerät zur Dekontamination von Fahrzeugen und Straßenabschnitten. Es ist für den Einsatz von nichtwässriger Lösung ausgelegt. Die Austragungsmenge liegt zwischen 60 und 480 Liter pro Stunde. Der Systemdruck ist hierbei einstellbar. Als Dekontmittel wird das in der NATO gelistete GDS2000 (NSN 6850-12-366-1321) verwendet, welches sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet:
GDS 2000
- ist industriell hergestellt,
- steht anwendungsbereit zur Verfügung,
- erfüllt die Forderungen der Wassergefährdungsklasse 1 (wenig wassergefährdend)
- ist biologisch abbaubar
Für die schnelle Personendekontamination dient ein beheiztes, aufblasbares Zeltsystem, das über drei einzelne Zeltmodule verfügt, die funktionsgerecht An- und Auskleidezelt sowie Duschzelt heißen.
Für die Dekontamination von Ausrüstungsgegenständen wird das aufblasbare Dekontaminationszelt verwendet. Alle Zeltmodule werden mithilfe des elektrischen Gebläses aufgeblasen oder entlüftet.
Der Container DFL 4000 (Decon Flatrack 4.000 Liter) ist das Herzstück des gesamten Systems. Er verfügt über einen leistungsstarken Stromerzeuger, welcher den Kran und die restlichen Aggregate mit Energie versorgt. Des Weiteren befindet sich im vorderen Drittel ein isolierter 4.000 Liter Edelstahl-Wassertank. Dieser Tank wird über einen kompakten, leistungsfähigen Wärmetauscher beheizt, der die abgegebene Wärme vom Motor zum Beheizen nutzt.
Um auch große Fahrzeuge reinigen zu können, wurde ein 16m langer Hydraulikkran inklusive Krankorb integriert, der eine Arbeitshöhe bis 16 m ermöglicht. Zusätzlich verfügt der Container über eine MOSDM-C und MOSDM-F Einheit. Das System kann sowohl auf dem Boden als auch auf dem LKW (auch während der Fahrt) betrieben werden.
Der Container DSC-B (Decon System Container B) dient unter anderem auch als Ausrüstungs-Container. Er verfügt über eine unabhängige Stromversorgung und zwei MOSDM-F Module. In diesem Container, der über sechs große Flügeltüren verfügt, werden das Feldheizgerät KFH 20 und das gesamte Zeltsystem sowie diverse Module wie z.B. die Falttanks und Duscheinheiten sicher verstaut.
Die beiden identischen Container WSC 10 (Water Supply Container 10m³) werden als Wassertransportcontainer bezeichnet und ermöglichen die Lagerung von Trinkwasser. Dieses System verfügt über einen Tank mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Litern und dient somit als Wasserversorgung für das gesamte System. Die Container verfügen über eine eigene Stromversorgung und Heizelemente, um ein Einfrieren des gespeicherten Wassers zu vermeiden. Durch die leistungsstarken Wasserpumpen kann das Wasser effizient ausgetragen werden. Um einen geräuscharmen Betrieb zu gewährleisten, können die Stromerzeugungsaggregate auch mit geschlossenen Türen betrieben werden.
Dank der hohen Flexibilität kann die Dekontamination von Fahrzeugen durch zwei unterschiedliche Systeme erfolgen: Zum einem mit Hilfe des AMGDS, welches mit dem innovativen, anwendungsbereiten Austragungsmittel GDS 2000 betrieben wird. Alternativ kann die Dekontamination durch das EDADS erfolgen. Als Austragungsmittel wird das Di60 oder die Emulsion TDE202 eingesetzt. Ebenso können weitere, bei den Belgischen Streitkräften eingeführte Dekontmittel, mit diesen zwei Modulen ausgetragen werden.
Die Wasserkapazität umfasst bis zu 48.000 Liter. Erreicht wird dies nicht nur durch die starren Tanks sondern auch durch acht äußerst flexible 3.000 Liter Falttanks.
Diese Vielseitigkeit ist ebenso bei der Dekontamination von Straßenabschnitten gewährleistet. Der benötigte Wasservorrat kann für den Fahrtbetrieb von 4.000 Liter auf 14.000 Liter erweitert werden. Dies wird durch ein LKW-Gespann aus „Flatrack“ und Wassertransportcontainer erreicht. Eine unbegrenzte Einsatzzeit kann erreicht werden, indem durch Parallelbetrieb ein Wassertransportcontainer eingesetzt und der zweite befüllt wird.




